Die Rehmunder Mühle

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Das Flurstück, auf dem die Mauerreste der Mühle gerade noch zu sehen sind, trägt heute noch den Namen „an der Rehmunder Mühle“ - ein Name, der bei der Erstellung des Urkatasters im Jahre 1832 vergeben wurde. In der Karte von Tranchot/Müffling aus dem Jahre 1811[18] trägt sie den Namen „Henrich Schiffer Mühle“ und weist damit auf den Eigentümer „Heinrich Schiffmann“ hin. Vorher wurde im Sprachgebrauch „von der Mühle Rivemont“[19] gesprochen. Um 1850 findet sich auch die Bezeichnung „Rühmennunder Mühle“[20].

Die Mühle geht zurück auf das Müllerehepaar Christian Schiffman und Anna Maria Hermes aus Pünderich, das zwischen 1770 und 1782 mit ihren (mindestens) 4 Kindern dort hinzog. Einige Meter vor der Mühle floss die Alf vorbei und bildete hier schon immer eine Herrschaftsbereichsgrenze: vor der Franzosenzeit die Grenze zum Kröver Reich, in der Franzosenzeit die Grenze zum Département Sarre[21].

Der „Altmüller Christian“ starb 1797[22] mit über 85 Jahren, nachdem er 17 Jahre lang Witwer gewesen war. Die Mühle erbte sein Sohn Heinrich, 33 Jahre alt, seit 2 Jahren verheiratet mit Maria Margarethe Böhmer aus Reil[23]. Sein ältester Bruder Johann lebte nicht mehr auf der Mühle, seit seiner Heirat[24] im Jahre 1782 mit der „vagabunda“ Anna Jacoba Oster aus Rachtig. Zeitweise betrieb er in der Region einen Schweinehandel[25] und verdingte sich als Gelegenheitsmüller. Er wäre auch gerne Pächter der Springiersbacher Mühle geworden. Eine entsprechende Bewerbung ist beurkundet[26].

Im Juli 1797 hauste er in einem Stall auf dem Sprinker Hof. Bei seinen Streifzügen durch das Kröver Reich machte er oft auf der Mühle Station, da er sich mit seinem jüngeren Bruder Joseph, der auf der Mühle lebte, gut verstand[27]. Johanns („Tuchhannes“) Ruf war schlecht, und in der öffentlichen Meinung zählte man ihn zur Moselbande. Im August 1796 geschah auf der Sprinker Mühle an der oberen Alf bei Mückeln eine grausame fünffache Bluttat an der Familie des Müllers Gerhard Krones: drei Ermordete und zwei entsetzlich Zugerichtete wurden am späten Abend in der Mühle gefunden. Erst nach und nach verfestigte sich in der öffentlichen Meinung die Täterschaft: Johann Schiffmann nebst anderen Bandenmitgliedern wurde diese scheußliche Tat zur Last gelegt. Als Anfang September 1799 in Koblenz der große Prozess gegen die Moselbande begann, in dem u.a. auch die Sprinker Morde verhandelt wurden, war Johann Schiffmann flüchtig. Er wurde in Abwesenheit[28] zum Tode verurteilt. Sein Bruder Joseph, der Beihilfe in zwei Fällen angeklagt, wurde freigesprochen. Johanns Festnahme geschah dann aufgrund eines Hinweises von Matthias Hochscheid (s.o.) 1801/1802 auf der Neipeler Mühle[29].

In einer neuen Verhandlung verurteilten die Geschworenen ihn im Juni 1802 einstimmig zum Tode. Die Indizien und die Zeugenaussagen waren erdrückend. Vor seiner Tat hatte er durch Reden und Taten den nachhaltigen Eindruck erweckt, er wolle und könne die Mühle durch Druck auf den rechtmäßigen Besitzer an sich bringen - nur denkbar vor dem Hintergrund der desolaten Situation der öffentlichen Sicherheit in dieser Zeit des politischen Umbruchs. Die Revision gegen das Urteil wurde verworfen. Das Fallbeil sauste nieder.Bild Rehmunder Mühle
Mitte 1830 lebten auf der Mühle mindestens 5 Personen: Heinrich Schiffmann, seine 2. Frau Anna Maria Leister, Heinrichs Bruder Joseph, Heinrichs 30jähriger Sohn Johann - zu diesem Zeitpunkt wohl noch unverheiratet - und Heinrichs gerade geborene Tochter Anna Maria aus 2. Ehe. 1842 starben im Abstand von 2 Monaten die beiden Brüder Heinrich[30] 78 Jahre, und Joseph[31] 74 Jahre. Heinrichs Sohn Johann, 43 Jahre und verheiratet mit Catharina Neidhöfer, erbte die Mühle. Die Eheleute hatten zwei minderjährige Töchter. Bereits 8 Jahre später, im Jahre 1850, starb Johann Schiffmann in Reil. Um 1869 ist das Mühlengebäude noch nachweisbar. Danach verlieren sich die Spuren der Rehmunder Mühle. Heute markieren nur noch zwei niedrige Bruchsteinwandreste den Mühlenstandort (s. Abb.).


Anmerkungen
[18] LVAR-Pf: Tranchot/Müffling, Topographische Karte 1811, No 182 Zell
[19] BAT: Kirchenbuch Pünderich 2/30
[20] StAK: Sterberegister 32/1850
[21] Heute verläuft hier die Grenze zwischen den Regierungsbezirken Trier und Koblenz.
[22] BAT: Kirchenbuch Pünderich 2/118
[23] BAT: Kirchenbuch Pünderich 2/40
[24] BAT: Kirchenbuch Pünderich 2/30
[25] Becker (wie Anm. 3)
[26] Hinweis von Prof. Dr. Erwin Schaaf (nicht veröffentlicht)
[27] Becker (wie Anm. 3)
[28] „in contumaciam“
[29] bei Limbach im Hunsrück
[30] Standesamt Zell (=StAZ): Sterberegister Pünderich 217/1842
[31] StAZ, Sterberegister Pünderich 172/1842


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